Coding da Vinci. Offene Kulturdaten für alle!

11.12.2019 von

tl;dr: Es gibt immer mehr offene Kulturdaten, mit denen man Geschichte begreifen und Kultur neu darstellen kann. Am 6.12. endete der Kulturdaten-Hackathon Coding da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet. Auf dem Abschluss-Event im Dortmunder U wurden schöne Anwendungen von Spielen über 3D-Visualisierungen bis hin zu Datenbanken präsentiert. Klickt Euch durch!

Glamouröse Daten

GLAM klingt ein bisschen weihnachtlich glamourös, und irgendwie ist es das auch: Dahinter stecken Daten aus Galerien, Bibliotheken, Archiven und Museen, also Kulturdaten aller Art. Diese Daten beschreiben wie kaum etwas anderes unser Wissen, unsere Kultur und unsere Geschichte.

Kultur und Geschichte sollten allen Menschen zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund eignen sich gerade diese Daten ganz besonders als offene Daten. So wird aus GLAM schließlich OpenGLAM: eine immer größer werdende internationale Bewegung vieler verschiedener Kulturinstitutionen, die Kulturdaten unter freien Lizenzen veröffentlich und so aus den Kulturinstitutionen in die breite Öffentlichkeit trägt.

Coding da Vinci: Kulturdaten treffen Hacker*innen

Um aus Rohdaten spannende Anwendungen zu bauen, müssen zwei Gruppen zusammenkommen, die im Alltag eher selten aufeinandertreffen: Nur wenn Softwareentwickler*innen und Designer*innen gemeinsam mit Vertreter*innen von Kulturinstitutionen zusammenarbeiten, gibt es einzigartige neue Ideen, wie Kultur und Geschichte neu dargestellt, neu mit anderen Daten kombiniert oder noch besser verfügbar gemacht werden können.

Coding da Vinci Westfalen Ruhrgebiet

Coding da Vinci ist der Ort, wo beide zusammenkommen: ein achtwöchiger Kultur-Hackathon, bei dem Entwickler*innen, Designer*innen und Kreative aus Kulturdaten etwas Neues erschaffen. An einem großen Auftaktwochenende stellen Kulturinstitutionen neue offene Daten aus der Region vor und werden gemeinsam mit den Techies kreativ und setzen neue Impulse. Am Ende steht ein feierlicher Abschluss mit Präsentation der Projekte und einer Würdigung der Arbeit im Rahmen einer Preisverleihung.

Die Hackathon-Reihe Coding da Vinci gibt es seit 2014 und wurde verstreut über die Bundesrepublik in dieser Zeit acht Mal durchgeführt. Neben rund 140 schönen neuen Anwendungen wurden mit dem Kultur-Hackathon auch weit über 200 neue Datensätze verschiedener Institutionen geöffnet.

Wichtiger Bestandteil: Kulturdaten öffnen

Die bei Coding da Vinci verwendeten Daten kommen aus der Region: Museen und Archive identifizieren und veröffentlichen Daten und Medien aller Art: von Datenbanken über Fotos und Videos bis hin zu Audio-Files und 3D-Scans ist alles dabei. Alle im Kontext von Coding da Vinci veröffentlichten Daten stehen unter freien Lizenzen und können so dauerhaft auch von Dritten verwendet und auch über den Kultur-Hackathon hinaus benutzt werden.

Das Erheben der Daten ist oft gar nicht so einfach: Nur maschinenlesbare Daten sind gut nutzbar, und am besten sollten die Daten auch noch in einem freien Standard vorliegen. Damit tut sich die eine oder andere im Kulturbetrieb verwendete Software schwer. Der Datenexport nutzt aber nicht nur den Entwicklern, sondern auch den Institutionen selbst. Was nützt einem die schönste Verwaltungssoftware, wenn die Daten darin eingesperrt sind und man ohne Updates irgendwann nicht mehr an die Daten herankommt? Nur offene Datenformate garantieren, dass man als Archiv oder Museum, als Bibliothek oder Gedenkstätte dauerhaft an seine eigenen Daten kommt und diese dauerhaft verwenden und nutzen kann.

Coding da Vinci im Ruhrpott: Glückauf!

Dieses Jahr kam Coding da Vinci erstmalig nach Westfalen und ins Ruhrgebiet. 23 Institutionen haben Datensätze veröffentlicht. Regionstypisch gab es so eine Häufung von Datensätzen aus Bergbau und Industrie – aber nicht nur: Von alten Bibeln aus der Lutherzeit über Daten von einem Bikinimuseum bis zu rheinischer Mundart war für alle Epochen und Interessensgebiete etwas dabei.

In 17 Projekten haben verschiedene Teams mit den Daten und haben eine ganze Bandbreite verschiedener Anwendungen entwickelt. Im Kinosaal des Dortmunder U wurden diese am Nikolaustag präsentiert und durch eine Fachjury sowie das Publikum ausgezeichnet.

Ein typischer Coding da Vinci Hackathon Bild: Annette Hudemann (LWL) CC BY 4.0

Die Gewinner

Als „most technical“ gewann das Projekt “Blomberg VARsetzen”. Das ausgezeichnete Team von BOK+Gärtner und Dominica Wester von “weltenweber” arbeitete mit Daten aus der Translozierung eines Bürgerhauses ins LWL-Freilichtmuseum Detmold. Mit Hilfe von Virtual Reality und Augmented Reality können User die Bauweise des Hauses und das Herkunftsdorf Blomberg kennenlernen.

Als „most useful“ befand die Jury die Anwendung „Mein Stadtarchiv“. Die Entwickler Ernesto Ruge und Klaus Deja der binary butterfly GmbH haben eine digitale Plattform geschaffen, die das kommunale Stadtarchiv am Beispiel von Moers und Kerpen für Bürgerinnen und Bürger umfassend öffnet, zum Entdecken und Mitmachen einlädt.

Den Preis für „best design“ erhielt die Anwendung „Demokratie erLeben“. Bei diesem Online-Spiel können User in die Rolle von Anna und Karl, zwei Arbeiterkindern im Jahr 1927, schlüpfen. Grundlage sind Daten aus dem Archiv der Arbeiterjugendbewegung.

Im Publikums-Voting setzte sich die Anwendung „Sounds without meaning“ als „everybody’s darling“ durch. Der Entwickler und Sounddesigner Leander Seige nutzte Industrieklänge und Bilder aus der Datenbank „Sounds of Changes” und ließ Algorithmen daraus einen endlosen Strom von akustischen und visuellen Eindrücken kreieren.

Daten nutzen und Weitermachen

Auch wenn der Kulturhackathon zu Ende ist: die Ideen sind es nicht. Zunächst stehen die Daten aus diesem und allen anderen Coding da Vinci-Hackathons allen zur Verfügung, so dass man in jedem OK Lab Anwendungen daraus bauen kann. Auch die konkreten bei Coding da Vinci entstandenen Projekte sollen weitergeführt werden, und um dort ein wenig zu helfen, gibt für diesen und alle folgenden Coding da Vincis spezielle Stipendien. Zudem ist auch eine Förderung im Programm CREATIVE.CROWDFUNDING möglich.

Wenn Ihr Projekte aus den Daten gebaut habt: teilt sie uns gerne auf @CodingDaVinci mit. Wir freuen uns über coole Ideen ebenso wie die Institutionen, die die Daten bereitgestellt haben.

Zentrale Plattform für OpenGLAM in Europa ist das von der EU unterstütze europeana.

Die wohl wichtigste Datenbank für Kulturdaten in Deutschland ist die Deutschen Digitalen Bibliothek.

Coding da Vinci Westfalen-Ruhrgebiet 2019 wurde vom LWL-Industriemuseum Zeche Zollern (Landschaftsverband Westfalen-Lippe), vom Hartware MedienKunstVerein e.V. sowie von den Kulturbüros Münsterland und Ostwestfalen-Lippe durchgeführt.

Coding da Vinci“ wird gefördert im Programm „Kultur Digital“ der Kulturstiftung des Bundes als gemeinsames Projekt der Gründerinstitutionen: der Deutschen Digitalen Bibliothek, des Forschungs- und Kompetenzzentrums Digitalisierung Berlin (digiS), der Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland.